Spahn plant Organspende-Gesetzesentwurf


 

Die Zahl der gespendeten Organe in Deutschland ist rückläufig. Zum Tag der Organspende am 02.06. kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn einen Gesetzesentwurf an, um das zu ändern.

2017 spendeten 797 Personen in Deutschland ihre Organe; eine Zahl, die sich in der Vergangenheit von Jahr zu Jahr verringert hat. Gleichzeitig warten aktuell etwa 10.000 Deutsche auf Spenderorgane. Auf seinem Besuch des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel vergangenen Freitag machte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen Tag vor dem Tag der Organspende darauf aufmerksam, dass sich diese Lage ändern müsse. Er kündigte einen Gesetzesentwurf an, mit dem er mehr in die Finanzierung von Organentnahmen investieren und die Bedingungen für Transplantationsbeauftragte verbessern will. Es solle für sie genug Zeit zur Verfügung stehen, mit Klinikleitung und Angehörigen alle wichtigen Details zu besprechen. Der Gesetzesentwurf soll im September dieses Jahres verabschiedet werden.

Außerdem appellierte Spahn an seine Zuhörer, dass sich jeder einmal in seinem Leben der Frage stellen solle, ob er bereit ist, nach seinem Tod Organe zu spenden. Er geht davon aus, dass 40 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis haben und dass das Potenzial besteht, noch deutlich mehr Personen hierfür zu gewinnen.

Einen Zwang, sich für oder gegen die Organspende zu entscheiden, gibt es derzeit in Deutschland nicht. Die Anschaffung eines entsprechenden Ausweises – in dem auch der ausdrückliche Wunsch, dass nach dem Tod keine Organe entnommen werden sollen, festgehalten werden kann – ist vollkommen freiwillig. Es gilt die sogenannte Entscheidungslösung: Der Organspendeausweis gibt Personen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, die Möglichkeit, sich bewusst für oder gegen eine Organspende zu entscheiden.

In der Diskussion ist aber auch die Widerspruchslösung, wie sie in sehr vielen anderen europäischen Ländern wie Österreich, Frankreich und Spanien beschlossen wurde. Hier müssen sich potenzielle Spender nicht aktiv für die Organspende entscheiden – jeder gilt nach seinem Tod als Spender, der dem nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Die Hemmschwelle, sich mit dem eigenen Tod auseinander setzen zu müssen, um Spender werden zu können, fällt somit weg. Für diesen Ansatz spricht, dass Transplantations-Patienten laut Professor Harald Klüter, dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI), in etwa Spanien nur ein Jahr warten müssen, in Deutschland dagegen sechs Jahre.

Die Meinungen zur Widerspruchslösung sind in Deutschland jedoch geteilt. Die katholische Kirche etwa besteht darauf, dass die Organspende eine freiwillige und bewusste Entscheidung des Einzelnen bleiben müsse, wie es der Idee einer „Spende“ entspreche. Heiner Garg, Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister, schlägt vor, dass künftig jeder bei Beantragung von Dokumenten wie Personalausweis oder Führerschein zugleich angeben soll, ob er Organspender werden möchte oder nicht. Wer sich dafür entscheidet, würde dann einen entsprechenden Aufkleber auf den Ausweis bekommen, der sich bei Meinungsänderung auch wieder entfernen ließe. Die Entscheidung wäre somit immer noch veränderbar, könne aber nicht mehr ganz umgangen werden. Jens Spahn bezeichnete diese Idee als interessant, ließ jedoch noch offen, wie die Organspende seiner Vorstellung nach künftig in Deutschland geregelt werden solle. Hier gelte es, verschiedene Vorschläge sorgfältig abzuwägen.